Titel: Unia

Band: Sonata Arctica
Kategorie: Metal

Sonata Arctica - Unia

Musik und Texte: Tony Kakko (Gesang)

Weitere Mitglieder: Jani Liimatainen (Gitarre), Henrik Klingenberg (Keyboard), Marko Paasikoski (Bass), Tommy Portimo (Schlagzeug)

Diskographie: Ecliptica 1999, Silence 2001, Songs of Silence - Live in Tokyo 2002, Winterheart's Guild 2003, Reckoning Night 2004, For the Sake of Revenge - Live in Tokyo 2006, Unia 2007

Website: http://www.sonataarctica.info

Musikrichtung: Metal

An Unia spalten sich die Gemüter. Wer die vorherigen Alben der Band kennt und liebt, sollte nicht mit zu hohen Erwartungen an Unia herangehen. Um nicht missverstanden zu werden: In meinen Augen ist das Album großartig. Aber es ist definitiv anders.

Waren Sonata Arctica zuvor dem Genre des Power-Metal zu zu ordnen, wäre diese Einordnung bei Unia vollkommen fehl am Platz. Tony Kakko, dem die Bezeichnung Power-Metal nach eigenen Angaben eh nie zugesagt hat, bekommt hier seinen Willen, denn die Musik lässt sich jetzt höchstens noch als Melodic Metal oder schlichtweg Heavy Metal beschreiben - wenn auch nicht im klassischen Sinn, denn auf Unia findet sich ein durchaus progressiver Einschlag.

Die wichtigsten Unterschiede zu den vorherigen Alben sind schnell gefunden: Das Tempo wurde drastisch gedrosselt. Auch Tonys hohe Töne sind im Großen und Ganzen verschwunden, seine "Geschichtenerzähler"-Stimme tritt weiter in den Vordergrund. Mit traditionellem Songwriting (dem Tony ja, wenn man sich das eine oder andere Lied der alten Alben anhört, nie ganz verpflichtet war) wird komplett gebrochen; von den insgesamt 13 Liedern auf der europäischen Version haben ganze sieben einen Refrain im engeren Sinn, ein Lied (Under your tree) hat veränderte Lyrics zu einer deutlich erkennbaren Refrainmelodie; bei den anderen fünf Liedern verabschiedet sich jede Regel des Songwritings - und das ist gut so. Auf Unia rücken die Lyrics weit in den Vordergrund, getragen von Tonys vielfältigem Gesang, weiten Harmoniefeldern und sehr geschickt arrangierten Chören.



In Black and White.

Lied Nummer Eins mit Refrain. Das Lied ist ein geschickt gewählter Opener, denn von allen Liedern des Albens kommt er am ehesten an den früheren Sonata Arctica-Stil heran. Tony überrascht mit aggressivem Gesang, aber schon nach dem ersten Vers zeigen sich die erwähnten Elemente, wenn auch nicht so ausgeprägt wie auf den folgenden Tracks. In Black and White ist eines der beiden Lieder auf dem Album, die am ehesten noch Geschwindigkeit zeigen, kommt mit einem feinen Solo daher und zeigt sich auch von den Lyrics eher aggressiv (Now I will hit you where it hurts... ).

Paid in Full.

Die erste Single des Albums und Lied Nummer Zwei mit Refrain. Es ist vom Gesangsarrangement und Tempo eher traditionell. Der Aufbau ist im typischen Kakko-Stil gehalten, Keyboard-Solo dazu, die (ein bisschen kitschigen... oh, gut, das Lied ist vielleicht doch mehr Power-Metal als In Black and White) Lyrics über eine unglückliche Beziehung, fertig. Als Single ist das Lied gut geeignet, es ist, ganz im Gegensatz zum Rest des Albums, noch recht einprägsam und "gerade".

For the Sake of Revenge.

Drittes Lied mit Refrain. Nein, es hat nichts mit der gleichnamigen Live-CD/DVD zu tun, und ja, das komische Geräusch vom Synth-Bass gehört da hin, das ist kein Fehler. For the Sake of Revenge ist ruhig, langsam und sehr atmosphärisch, aber keine wirkliche Ballade. Instrumentierung und Gesangslinie sind eher schlicht, letztere aber besonders im Refrain recht gewöhnungsbedürftig.

It won't fade.

Das "Wolfslied" das Albums, mit Refrain. Das erste, was auffällt, ist das fantastische Gesangsarrangement; von Vers zu Vers hat man das Gefühl, das eine andere Person singt. Kakko zeigt sich von seiner vielfältigsten Seite. Dazu kommen recht eingängige Melodien, treibende Drums und ein interessanter, vielschichtiger Text, in den sich unter Umständen einiges hinein interpretieren lässt, der aber genauso gut wörtlich verstanden werden kann. Der Hörer entscheidet. It won't fade hat den interessanten Effekt, ein Ohrwurm zu sein, ohne ein Ohrwurm zu sein - der Refrain ist nicht stark genug, um es so weit zu bringen, aber die Gesangsarrangement bohren sich dennoch irgendwie allein in die Gehirnwindungen.

Under your tree.

Die erste Ballade des Albums. Wer jetzt etwas im Stil von Shamandalie, Tallulah oder Last Drop Falls erwartet, wird enttäuscht werden. Das Lied punktet durch eine sanfte, melancholische Atmosphäre, ohne wirklichen Höhepunkt, sehr fließend und damit genau auf den Text zugeschnitten. Eingeleitet und gegliedert von einer schönen Keyboardmelodie schafft es Tony, den Text sehr emotional und trotzdem natürlich klingen zu lassen. Manko des Liedes: Der Refrain ist nur melodisch, nicht aber in Bezug auf die Lyrics vorhanden, was dazu führt, das die in meinen Augen bewegendste Stelle im Lied (und vielleicht ganzen Album), nur ein einziges Mal vorkommt: The warmest heart I've found/ I lower into the ground/ My tears, forever with you/ resting under your tree.

Caleb.

Eingeleitet von einer Frauenstimme und sich langsam steigernden Keyboard, entwickelt sich das Lied zu einem stetig vorwärts strebenden Track, der sich konstant wandelt, aber immer wieder zur Ausgangsmelodie zurückfindet, bis er zu einem weit angelegten Chor-Part gelangt. Von hier an zerfällt das Lied musikalisch bis zu einem Moment der Stille, von dem an es langsam mit einem Chor ausklingt. Musik und Text arbeiten hier durchweg sehr gut zusammen, besonders, wenn man die Lieder The End of this Chapter von Silence und Don't say a Word von Reckoning Night kennt; die Geschichte, die in diesen beiden Liedern erzählt wird, nimmt in Caleb ihren Anfang. O-Ton Kakko: Batman Begins.

The Vice.

The Vice ist einfach nur seltsam. Es ist ein flottes (ja, der Begriff ist mit Absicht so gewählt) Lied, bei dem es schwer fällt, still sitzen zu bleiben. Es kennt keinen Refrain und noch nicht einmal vernünftige Strophen. Es stülpt sich mittig einmal komplett um, sowohl musikalisch als auch in Bezug auf den Text, welcher auch nach langem und intensivem Hören keinen Sinn zu ergeben scheint, sondern nur das vage Gefühl hervorruft, dass es irgendwie doch einen Sinn gibt. Die Chöre im Mittelteil des Liedes bilden einen absoluten Höhepunkt des Albums (In (sane), in (pain), ran into a needle... ). Großartiges Lied, aber unmöglich zu beschreiben.

My dream's but a drop of fuel for a nightmare.

führt fort, was The Vice begann. Kaum eine Gesangslinie kommt mehr als zweimal vor. Der erste Part beschäftigt sich textlich mit allen möglichen schlechten Omen in Albträumen, wild und sinnlos gemischt, wie Träume nun einmal sind, und genauso ist die Musik: Eine Achterbahnfahrt, bei der man nie weiß, was nach dem nächsten Takt passieren wird. MDBADOFFAN ist sicherlich das progressivste Lied des Albums, wartet zuzüglich wieder mit Chören sowie viel, viel Keyboardarbeit auf und klingt schließlich sanft aus.

The Harvest.

... hat einen Refrain und erinnert stilistisch an In Black and White. Schnelles Tempo, recht aggressiver Gesang, ausladende Soli (einmal Gitarre, einmal Keyboard) und auch ansonsten viel Keyboardarbeit. Das Lied wirkt, vom ruhigen Mittelteil abgesehen, sehr massiv.

To create a warlike feel.

Wenn man in ganzen Liedern spricht, ist To create a warlike feel der Höhepunkt des Albums. Mittleres Tempo, kein Refrain, keine Strophen, kein festes Muster und dennoch entfaltet das Lied eine sehr starke Intensität, nicht zuletzt wegen der Lyrics (The war is over, all is lost/ Down the drain, keep fingers crossed/ Hope the World forgets or the World forgives... ) und des kompliziert ineinandergreifenden Gesangsarrangements; so ist unter anderem in einem Teil Tonys Gesang mit einem finnischen Gedicht unterlegt. Das Lied ist schwer zu beschreiben, es ist ein Erlebnis.
Dank an Tuomas Holopainen, der bei der Auswahl der Bonustracks beratend geholfen hat, dafür, dass wir dieses Lied hören können.

The worlds forgotten, the words forbidden.

nimmt To create a warlike feel wieder auf. Der Krieg ist gekommen, gegangen und dieses Lied ist das, was übrig ist. Sehr kurz, nicht mal drei Minuten, düster und bedrückend, wieder ohne traditionelles Muster, singt Tony mit einer Ausdruckskraft über die Welt danach, die ein beklemmendes Gefühl hinterlässt (I follow the moon to find a path away from the scorching sun/ I follow the stars to my abode, it's burning... ).

Fly with the Black Swan.

Das vorletzte Lied klingt am Anfang leicht nach Western-Musik, schwingt sich aber zu einer sehr soliden und in Teilen recht eingängigen Nummer auf. Trotz der Tatsache, dass es einen Refrain hat (Must keep those black wings folded... ) ist von "normalem" Songwriting recht wenig zu merken; zwischen dem ersten und dem zweiten (letzten) Refrain windet und dreht sich das Lied in alle erdenklichen Richtungen, gespickt von kurzen Choreinsätzen und einem Keyboardsolo. Tony, der ja immer mehr als Geschichtenerzähler denn als Sänger erscheint, schöpft hier aus dem Vollen (Buy me a drink, and I tell you/ 'bout the Black Swan... ).

Good enough is good enough.

Zweite Ballade, traditionelles Songwriting mit Strophen, Refrain und C-Teil. Die Instrumentierung besteht nur aus Streichern und Piano. Beim Durchlesen der Lyrics wirkt besonders der Refrain etwas belanglos, was sich aber durch Tonys Gesang rapide ändert und mit viel mehr Tiefe daherkommt. Sehr weicher, bei schlechten Lautsprechern (so mir passiert beim ersten Hören) weiblich klingender Gesang im C-Teil und interessantes, sehr gut mit dem Text kooperierendes Ende.



Mein Fazit: Ob das Album "Sonata Arctica" ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Fest steht, dass es anders ist - soviel kann selbst ich sagen, die nur Silence besitzt und von den anderen Alben den einen oder anderen Klassiker kennt. Fest steht auch etwas anderes: Wer sich bereits beim ersten Hören in das Album verliebt, hat Glück; für uns andere Normalsterbliche muss jedoch gesagt werden: Man muss Unia eine Chance geben. Mit einmal Hören ist es einfach nicht getan. Es hat bei mir ungefähr fünf (!) Umläufe gebraucht, bis das erste Merkmal in meinem Kopf hängen geblieben ist (der Gesang von It won't fade, nicht einmal die Melodie) und von dort an ist es langsam und stetig gewachsen. Das Album ist unglaublich komplex, was dazu führt, dass es, wenn man erst mal "drin" ist, scheinbar nie langweilig wird. Aber wie gesagt, "rein" muss man erstmal kommen. Dem Hörer wird es nicht einfach gemacht, die Musik ist eine Herausforderung.
Gut beraten ist, wer sich einfach ein wenig Zeit lässt und ohne feste Vorstellungen an das Werk herangeht. Dass es ein sehr gutes Album ist, lässt sich nämlich von einem musikalischen und textlichen Standpunkt aus kaum bestreiten.

Jetzt, wo ich "drin" bin, hat Unia sich zu einem meiner Lieblingsalben gemausert und wird sich wahrscheinlich so schnell nicht mehr aus meinen persönlichen Top 5 verabschieden.

Meine Favoriten: To create a warlike feel, It won't fade, The Vice

Geschrieben von: Lily

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